Clemens Salesny/Bumi Fian Quintett

Always Blue

   

Alessa Records ALR 1003

 

 

 

  1. Spass in 3 und 4 (C. Salesny)
  2. A & F (C. Salesny)
  3. Always Blue (C. Salesny)
  4. Bebop und Lulatsch (C. Wenger)
  5. Thelonious Monk Medley a) Epistrophy (T. Monk)
  6. b) Misterioso (T. Monk)
  7. Hü Hott! (C. Salesny)
  8. Last Track (Collective)

Clemens Salesny - alto saxophone, bassclarinet
Bumi Fian - trumpet
Clemens Wenger - piano, fender rhodes, accordion
Bernhard Osanna - doublebass
Thomas Froschauer - drums

 

Recorded March 12th / 13th, 2004 at the WUK, Vienna by Werner Angerer
Mastered at Sounddesign Studios by Christoph Kapfer
Produced by Clemens Salesny for Alessa Records

Order at:

www.alessarecords.at

 

 

 

Der Anlass der CD-Besprechung ist ein trauriger. Karl "Bumi" Fian, genialer Trompeter und lebensbejahender Mensch, ist nicht mehr. Er starb nach einem kurzen, wilden, erfüllten und genussreichen Leben am 6. Jänner 2006. Rest in peace, Bumi. Noch 2005, schon gezeichnet vom Leben, spielte er mit Clemens Salesny die CD "Always Blue" ein.
Clemens Salesny am Altsaxofon und an der Bassklarinette, Bumi Fian an der Trompete, Clemens Wagner an den Tasteninstrumenten, Bernhard Osanna am Bass und Thomas Froschauer am Schlagzeug bildeten das Quintett. Herausgekommen ist eine CD, die bereits jetzt ein Stück österreichische Jazzgeschichte repräsentiert.
Das hingebungsvolle, stimmige Spiel der Fünf, die wundervollen Kompositionen von Clemens Salesny, vor allem das balladenhafte "Always Blue" - selten noch habe ich musikalische Trauer schöner und beeindruckender gehört - gehen in die unendliche Tiefe der Empfindungen.
"Bebop und Lulatsch" von Clemens Wenger steht den Salesny-Kompositionen in nichts nach. Die Nummer beginnt mit irgendwo im Raum und der Zeit verhallenden Klavierakkorden, die anderen Instrumente setzen ein, die dramatische Grundstimmung wird ausgereizt, der Walking Bass setzt Akzente, Saxofon und Trompete legen ihre Linien darüber und über allem schwebt ein sentimentaler Ton. Verdammt noch mal, in der Rückschau klingt alles so sentimental und ich bin sicher, keiner der Musiker mag diese Deutung. Life is going on und Bumi Fian sitzt auf einer Wolke und gönnt sich einen "Spritzer". So ist es nämlich im Leben.
Klaus Schulz schreibt im Booklet: "Das Clemens Salesny/Bumi Fian Quintet sind ein weiterer, hervorragender Beleg für die Potenz des Jazz made in Austria". Ja, es ist ein hervorragender Beleg und es sollte, in Memoriam Bumi Fian, nicht der letzte Beleg sein.


(Alfred Krondraf, Kulturwoche, 2006)

 

Die heimische Jazz Szene bringt seit Jahren hervorragende Talente zum Vorschein, die, kaum sind sie den Kinderschuhen entwachsen, sich in die aktuelle Szene einschalten und sich in großen Schritten, als steckten die Füße in Siebenmeilenstiefeln, musikalisch hervorragend entwickeln. Im Salesny-Fian Quintett sind, gemeinsam mit Spitzentrompeter Bumi Fian, gleich mehrere dieser mittlerweile "gestandenen" Jazzer am Werk, allen voran Saxofonist Clemens Salesny (* 1980), Clemens Wenger (* 1982), p/keyb, Thomas Froschauer (* 1979), dr, und Bernhard Osanna (* 1972), b. In "Always Blue" kommen alle Stilmittel des modernen Jazz zu tragen, das Album vermittelt Spannung in jeder Sekunde, Jazz wie er sein soll, unberechenbar und doch manchen Formen folgend, aber nie vorhersehbar. Bebop, Blues, Mingus und Monk, Miles und Trane, spürt man - und doch ist es ganz eindeutig das Salesny-Fian Quintett.

(Christian Bakonyi, jazzzeit Nr. 153, März/April 2005)

 

Wenn sich einerseits junge Experimentierwillige und andererseits noch junge Experten in der österreichischen Jazzlandschaft treffen, werden - das zeigt die gemeinsame Einspielung dieses Quintetts - aus Spaziergängen Extremabenteuer und umgekehrt. Das Clemens Salesny - Bumi Fian Quintett ist bereits seit den ersten Auftritten (siehe concerto 01/02) für seinen kompromisslosen Sound und den lockeren Umgang mit - oftmals eingefahrenen - musikalischen Sichtweisen bekannt. Mittlerweile hat sich daran nichts geändert, außer dass Clemens Salesny Hans-Koller-Preisträger und das Quintett zu einem Fixbestandteil der österreichischen Szene wurde. Die Musik ist wieder "alles-auf-einmal" - und das ist natürlich positiv gemeint. Sehr reizvoll, wie aus scheinbarer Unordnung kreatives Chaos entsteht und sich dieses in weiterer Folge zu von äußerster Spielfreude getragenem Groove entwickelt. Augenzwinkernd werden da Effekte in Monk's Meisterwerke eingeworfen und an anderer Stelle mit rauschhafter Leichtigkeit kollektivimprovisiert. Es bleibt wie es war: Beim Salesny - Fian Quintett sind alle musikalischen Querdenker bestens aufgehoben!

(Thomas Haderlapp, Concerto Nr. 01/05, Februar/März 2005)

 

In den letzten zwei Jahrzehnten hat Österreich eine Vielfalt von Talenten und beachtlichen Jazzmusikern hervorgebracht, die eine äußerst lebendige, für ganz Europa repräsentative Jazzszene entstehen ließen. Vier solcher Ausnahmebegabungen haben sich hier um den Langzeit - Trompeter des Vienna Art Orchestra, Karl „Bumi“ Fian, Jahrgang 1960, geschart, um ein Quintett zu bilden: Der Saxophonist Clemens Salesny, Schüler von Klaus Dickbauer und trotz seiner Jugend (Jahrgang 1980) bereits in zahlreiche Projekte mit Künstlern von Eddie Henderson, Joe Zawinul und Thomas Gansch bis zu Sabina Hank involviert gewesen. Pianist und Keyboarder Clemens „Bumpfi“ Wenger, 1982 geboren und viel beschäftig hin – und her pendelnd zwischen Avantgarde (Renald Deppe, Max Nagl), Jazz und Populärem (Ausseer Hardbradler). Thomas Froschauer, ebenso wie Salesny und Wenger aus Niederösterreich stammend, Big Band – erfahren und von Jazzkapazitäten wie Puschnig, Scherer und Radovan gleichermaßen geschätzt wie von Austro – Rocker Andy Lee Lang. Und schließlich Bernhard Osanna, Kontrabassist, als Jahrgang 1972 beinahe schon ein „Senior“, Mitstreiter von (u.a.) Jeff Hamilton, Bill Holman, Flip Philips oder Hans Salomon.
Dieses Clemens Salesny – Bumi Fian Quintett beherrscht die musikalische Sprache des zeitgenössischen Jazz perfekt: ausgeweitete, modale Harmonik, komplizierte, oftmals etwas vertrackte Linien, das Aufbrechen der Form, Improvisationen in großen Intervallsprüngen, Tempowechsel, Dissonanzen als Stilmittel, microtonale Effekte und vieles mehr, das seit Ornette Coleman, Eric Dolphy und Charles Mingus zur Ausdruckspalette der Jazz – Moderne gehört. Konventionelle Klischees fehlen der Musik des Quintetts gottlob ebenso wie die Hingabe zu modisch – zeitgeistigen Strömungen. Dafür gibt es bestens ausgenützte improvisatorische Freiräume, mehrheitlich Tonalität, Bluesverbundenheit (Fian!) und gelegentlich sogar Gespür für’s Dramatische.
Was einst als revolutionäre Neuerung schockiert hat, wird von den fünf Musikern unverkrampft mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit in das 21. Jahrhundert transformiert, wobei vor allem Salesny’s Kompositionen – sie bilden die Mehrheit der acht Titel – in Anlehnung an das Genie Charles Mingus viel melodische und formale Eigenständigkeit und Charakter aufweisen. Auch die Arrangements der beiden Stücke („Epistrophy“, „Misterioso“) von Thelonious Monk, einem weiteren „Genius Of Modern Music“, lassen Originalität und Ideenreichtum erkennen.
„ALWAYS BLUE“ und das Clemens Salesny – Bumi Fian Quintett sind ein weiterer, hervorragender Beleg für die künstlerische Potenz des „Jazz made in Austria“.

(Klaus Schulz, Ö1, Liner Notes, 2004)

 

 

HOME